Philosophischer Hintergrund

 

Unsere philosophische Grundlage -
unsere pädagogische Haltung

Gestalt beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie wir mit unserer Umwelt in Kontakt sind. Kontakt meint nicht nur zwischenmenschliche Begegnung, sondern jede Art von Berührung und Austausch mit unserer Umwelt (Atmen, Aufnahme von Nahrung, Wahrnehmung, Lernen etc…). Als GestaltpädagogInnen sind wir interessiert daran, wo diese Kontakte für die jeweilige Person und Situation nährend und befriedigend sind, wie sie persönliche Lern- und Wachstumsprozesse unterstützen und wo es im Kontaktgeschehen Schwierigkeiten und Unterbrechungen gibt. Wir ermutigen die Menschen, mit denen wir arbeiten, dabei, ihre Aufmerksamkeit auf ihre konkreten Erfahrungen im „Hier und Jetzt“ zu lenken und dadurch mehr Bewusstheit darüber zu erlangen, wie sie mit ihrer Umwelt im Kontakt sind.

Lernen als Kontaktprozess

Mit der Betonung von bewusster Wahrnehmung und zwischenmenschlicher Begegnung bietet das Gestaltkonzept einen integrativen Ansatz, in dem alle Dimensionen menschlichen Erlebens (Geist und Gefühl, Körper und Seele) angesprochen und verbunden werden. Auf dieser Grundlage setzt die Gestaltarbeit die Vermittlung eines Themas in Beziehung zu den biographischen und aktuellen Aspekten der Person in ihrem sozialen Kontext. Die Gruppe wird so zum Ort persönlich bedeutsamen Lernens.

Kreative Lösungen

Ob eine Lernsituation gelingt, ob ein Lernender genügend Energie und Motivation aufbringt, um Lern- Erfahrungen zu machen und neue Situationen zu meistern, hängt weder allein vom „guten Willen“ des Lernenden noch von ausgefeilten didaktischen Vorgehensweisen und Methoden des Lehrenden ab.

Vielmehr ist es die Kunst des Lernens, auf die jeweilige Situation, der jeweiligen Person und den gegebenen Bedingungen entsprechend zu antworten. Lernende und Lehrende gestalten den gemeinsamen Lernprozess.

Die Gestaltarbeit regt dazu an, den unterschiedlichen pädagogischen Herausforderungen mit dem Entdecken, Erfinden und Ausprobieren eigener Lösungswege jenseits festgefahrener Denkmuster und überkommender Überzeugungen zu begegnen.

Kreative Anpassung zwischen Individuum und Umwelt

Die Gestaltungsmöglichkeiten in den pädagogischen Praxisfeldern sind nicht nur eine Frage des individuellen Wollens, sondern ebenso abhängig von den gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen. Das Gestaltkonzept betont die gegenseitige Beeinflussung und Abhängigkeit von Mensch (Organismus) und Umwelt (Umweltfeld) und beschreibt gelungene Kontaktprozesse als eine kreative Anpassung zwischen Mensch und Umwelt. Kreative Anpassung bedeutet, sich bewusst, selbstgewählt und eigenverantwortlich den Umweltbedingungen anzupassen oder diese für sich passend zu gestalten.

Wo Einflussmöglichkeiten blockiert und die Umweltbedingungen für den Menschen unerträglich oder schädigend werden, ist Widerstand die adäquate Form der kreativen Anpassung. Die heutigen Anforderungen an PädagogInnen ignorieren häufig die erschwerten Bedingungen in den unterschiedlichen Praxisfeldern und erhöhen den Druck, sich individuell und passiv schlechten Gegebenheiten anzupassen. Dadurch werden befriedigende und kreative Lösungen verhindert. Das Gestaltkonzept lenkt die Aufmerksamkeit auf die Spielräume, die im sozialen Bereich Arbeitende – trotzdem – haben oder sich schaffen können.

Das Paradox der Veränderung

Forderungen nach erfolgreicher pädagogischer Arbeit oder Lernanforderungen an die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen tragen oft die Idee einer zielgerichteten und effektiven Veränderung der Personen in sich. Das Gestaltkonzept verweigert sich einer vordergründigen Veränderungsprogrammatik. Es geht davon aus, dass sinnvolle und nachhaltige Veränderung dann geschieht, wenn man seinen – wenn auch als unvollkommen erlebten – Zustand wirklich annimmt und erlebt; und dass aus diesem vollen Sich- Einlassen auf das, was ist, Veränderung von selbst geschieht.

Sich selbst zum Instrument pädagogischer Arbeit machen

Gestaltarbeit in der pädagogischen Praxis bedeutet, sich selbst als wichtigstes „Instrument“ in der Arbeit zu begreifen. Was ich denke, fühle, wahrnehme, d. h. meine unmittelbaren Reaktionen auf die Situationen und Personen, mit denen ich arbeite, sind wertvolle Informationen über diese, die ich für die Arbeit nutzen kann. Indem ich diesen Empfindungen Aufmerksamkeit schenke, sie ernst nehme und meinen Impulsen folge, finde ich jenseits vorgefertigter Rezepte eine angemessene Umgangsweise, die der jeweiligen Situation und den darin handelnden Menschen gerecht werden.

 

Zusammenarbeit mit dem Institut für Gestalttherapie und Gestaltpädagogik Berlin (IGG)

Alle TrainerInnen am IGP (Institut für Gestalt in der Pädagogik) haben eine Weiterbildung in Gestaltpädagogik am IGG absolviert und maßgeblich an einem neuen Weiterbildungsprogramm in Gestaltpädagogik mitgearbeitet (zusammen mit Detlef Knopf und Susanne Zeuner). Ein Teil der MitarbeiterInnen hat bereits als WeiterbildungstrainerIn im Bereich Gestaltpädagogik des IGG gearbeitet. Das IGP steht im fachlichen und organisatorischen Austausch mit dem IGG.